KOLIK                                                                                             Druckversion

Die meisten Menschen haben gehört, dass ein Pferd eine Kolik haben kann, aber was ist Kolik?

Kolik ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, welches zeigt, dass das Pferd Schmerzen im Bauchraum hat. Die Schmerzen können von irgendeinem Organ im Bauchraum stammen, aber sie kommen oft vom Magen-Darm-System. Verschiedene Probleme im Magen-Darm-Kanal führen mehr oder weniger starke Schmerzen mit sich. Das Pferd zeigt es durch

  • Fressunlust
  • Scharren mit den Vorderhufen
  • spontanes Bedürfnis, sich niederzulegen und wieder aufzustehen
  • Wälzen
  • Flähmen (die Oberlippe zu heben)
  • Schauen nach dem Bauch
  • vergebliche Versuche, Kot abzusetzen
  • Schlagen mit den Hinterhufen gegen den Bauch
  • Schwitzen
  • Pusten

Das Pferd kann einige dieser Zeichen aufweisen, ohne Kolik zu haben, aber weist es mehr Zeichen auf, kann es ein Symptom für Bauchschmerzen sein.

Weist das Pferd diese Zeichen auf, hilft es ihm normalerweise, sich zu bewegen. Dies kann das Darmsystem antreiben. Gibt es nach 10-20 Minuten keine Besserung, ist der Tierarzt anzurufen. Während des Wartens kann es für das Pferd von Hilfe sein, wenn man seine Ohren und den Bauch massiert.

Hat das Pferd nur die Freßlust verloren, ist seine Temperatur zu kontrollieren, die bei einem erwachsenen Pferd zwischen 37,5 und 38 Grad Celsius liegen soll.


Bei der Ankunft des Tierarztes wird der Kreislauf beim Pferd sowie seine Temperatur untersucht, und der Bauch wird abgehört, um die Darmgeräusche festzustellen, die anzeigen, wie der Darm arbeitet. Danach folgt die rektale Untersuchung, bei der die Därme vom Mastdarm aus untersucht werden. Auf diese Weise kann der Tierarzt herausfinden, ob das Pferd verkrampft oder aufgegast ist oder Verstopfung, Diarrhö oder Darmverschlingung hat. Der Pulsschlag zeigt, wie stark die Schmerzen des Pferdes sind. Die Islandpferde sind aber so "zäh", dass ihr Puls 60 Schläge pro Minute nicht weit überschreitet, bevor das Pferd wirklich krank ist. Normalerweise liegt der Ruhepuls bei 28-36 Schlägen pro Minute.

Krankheiten im Magen-Darm-System können entstehen, wenn das Pferd falsch oder zu viel gefüttert wird oder bei einem plötzlichen Futterwechsel. Koliken kommen auch vor, wenn das Pferd nach dem ersten Nachtfrost gefrorenes Gras frißt oder zu viel Stroh in der Box.

Bei einer Verstopfung hält der Darm auf zu arbeiten, und wenn man den Bauch abhört, sind keine Darmgeräusche zu hören. Pferden mit Verstopfung muss eine Nasen-Schlund-Sonde durch die Nase bis in den Magen geschoben werden, so dass Paraffinöl und reichlich Wasser in den Magen gegeben werden können, um die Verstopfung aufzulösen. Gleichzeitig muss das Pferd Medikamente haben, so dass der Darm wieder anfängt zu arbeiten und um die Schmerzen zu mildern. Eine umfangreiche Verstopfung im Dickdarm kann ein bis vier Tage dauern, und es kann 12-24 Stunden dauern, bis das Pferd wieder normal Kot absetzt.

Gaskolik entsteht, wenn die Darmbakterien zu viel Luft entwickeln, die nicht rauskommen kann. Die Luft häuft sich an und das Pferd bekommt starke Schmerzen. Es gibt in der Regel zu starke Geräusche. Das Pferd wird mit entkrampfenden und schmerzlindernden Medikamenten sowie mit Medikamenten zur Normalisierung der Darmbakterienzusammensetzung behandelt.


Darmlähmung entsteht ab und zu ohne nachweisbare Erklärung. Die Därme halten auf, zu funktionieren, und auch hier wird Luft angehäuft. Es gibt keine Darmgeräusche. Das Pferd bekommt Medikamente, die die Darmmuskulatur zusammenziehen soll, so dass die Därme wieder arbeiten.

Darmverschlingung ist eine sehr ernste Erkrankung, bei der die Därme falsch liegen, so dass der Darminhalt nicht mehr passieren kann. Die Koliksymptome sind sehr stark, der Puls ist hoch und die Därme arbeiten nicht. In fast allen Fällen muss das Pferd operiert werden, um gerettet werden zu können, und es muss schnell operiert werden. Glücklicherweise ist die Darmverschlingung im Verhältnis zu den anderen Kolikarten verhältnismäßig selten.

Diarrhö kann entstehen, wenn Pferde kaltes, feuchtes Gras oder Silage fressen oder durch Wurmlarven, die besonders im Winter in der Darmschleimhaut sitzen. Diese Dasseln können sich aus der Schleimhaut freimachen und Durchfall beim Pferd verursachen. Diarrhö wird am bestem mit trockenem Heu behandelt, sowie mit Medikamenten, um die Darmbakterienzusammensetzung zu normalisieren; Cortison und Wurmmittel werden verwendet, wenn Wurmlarven verdächtigt werden. Es gibt Pferde, die Silage einfach nicht vertragen können; sie haben konstant Durchfall. Sie sind mit trockenem Heu zu füttern.

Magengeschwüre zeigen sich häufiger als früher angenommen. Jedoch gibt es noch keine Untersuchungen mit Islandpferden, aber ich habe ein paar ernste Fälle gesehen, wo die Symptome Kolikschmerzen und Fieber waren.

Ein Magengeschwür in mildem Grad kann viele Symptombilder haben, weshalb es schwierig sein kann, die Diagnose zu stellen. Einige der Symptome sind fehlendes oder vermindertes Leistungsvermögen, gestreßtes Verhalten oder milde Kolikschmerzen.

Um das Pferd wegen Magengeschwüren zu untersuchen, muss der Magen des Pferdes mit einem Endoskop untersucht werden, so dass man die Schleimhaut sehen kann. Wichtig ist, dass das Pferd 48 Stunden gehungert hat, sonst sind zu viele Futterreste vorhanden und die Schleimhaut kann nicht ordentlich angesehen werden.

Magendasseln haben sich als ein potentielles ernstes Problem erwiesen, da die Wurmmittel seltener gegeben werden (als vor der Rezeptpflicht). Meine Erfahrung ist es, dass alle Pferde während der Wintermonate entwurmt werden sollten, um Magendasseln zu töten - ungeachtet der Kotprobenuntersuchung. Dies ist natürlich eine kontroverse Ansicht, aber nachdem mir ein Fall beschrieben worden ist, wo ein sechs Monate altes Fohlen verhungert ist, weil im Magen und im Schlund so viele Magendasseln waren, dass das Fohlen nicht schlucken konnte, finde ich, dass wir das Problem nicht links liegenlassen dürfen. Der Pferdebestand wurde laufend durch Kotproben überwacht, aber in denen ist der Grad der Verwurmung nicht zu erkennen).

Hat man ein Pferd mit Kolikschmerzen, ist der Tierarzt immer anzurufen, da sich eine Kolik leicht ernsthaft entwickeln kann, wenn es nicht rechtzeitig behandelt wird.

Tierärztin Rikke Schultz
Pferdeklinik Hørsholm